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Alkohol am Feierabend nur noch für Reiche und Arbeitslose

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Aktualisierung oder auch Fortsetzung meines Artikels Alkohol? – aber nur mit Auto! schreiben.

Letztlich war es ja nur eine Frage der Zeit und ich habe anfangs regelrecht darauf gewartet. Als ich nun endlich nicht mehr daran dachte ist es doch noch passiert. Der Drogeriemarkt im Nürnberger Hauptbahnhof hat nun auch bemerkt, dass laut Ladenschlussgesetzt  nach 20:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nur Reisebedarf verkauft werden darf. Gelobt sei das Ladenschlussgesetz – besonders in Bayern. Also 6 Büchsen Radler nach 20:00 Uhr is nich – 2 müssen im Laden  bleiben.
Das ist schon eine interessante Mischung an Gesetzen. Auf der einen Seite treibt der Staat die Bürger in die Überstunden und hin zum Langzeitarbeitskonto auf dem letztere dann angehäuft werden dürfen. Wenn man Glück hat erlebt man die Auszahlung der Stunden noch und geht eher in Rente bei entsprechendem Lohnausgleich. Was man aber nicht erleben wird bis dahin, ist der Feierabend vor 20:00 Uhr. Wer also nach der Arbeit am Abend noch ein paar Radler mit nach Hause nehmen möchte hat dann in Bayern nicht nur an der Tankstelle pech sondern bald vermutlich überall wo keine Sondergenehmigung eingeholt wurde.

Da bleibt nur die Alternative sich Sonnabends gemeinsam mit der restlichen berufstätigen Bevölkerung im nächsten Einkaufsmarkt zu treffen und gleich enorme Mengen an Alkohol nach Hause zu schleppen. Gesegnet wer sich den Luxus eines Autos leisten kann – der muss das Zeug nur hoch tragen.

Aber vielleicht steckt ja  auch ein Konjunkturkonzept führender bayrischer Politiker dahinter. Denn steht Alkohol erst einmal in Massen in einer Wohnung zur Verfügung wird er auch konsumiert. Das kennt man ja, die Sache mit der Einstiegsdroge oder dem Kosum von Dingen die man eigentlich nicht braucht.

Wer aber nur nach Feierabend gemütlich noch ein, zwei Gläser trinken möchte und somit täglich nach 20:00 Uhr entsprechende Getränke kaufen muss, der wird genötigt beim Wochenendeinkauf anständig zu zugreifen.

Stellt sich die Frage ob man die berufstätigen Schichten eigentlich bewusst ermuntert das Handtuch zu werfen auch wenn jeder weis das Arbeitslosigkeit auch kein Vergnügen ist?

#Hulu

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Alkohol? Nur mit Auto!

Anbei eine kleine Anekdote aus der täglichen Routine meiner kleinen Welt in der ich lebe.

Es war vor ca. 1 Jahr. Ich verlasse so gegen 20:00 Uhr mein Büro. Tolles Wetter draußen – ein richtig schöner, lauer Sommerabend. Schnell daheim angerufen und die baldige Ankunft kund getan. Sie sagt noch: „… und bring einen Wein mit, dann machen wir uns ’nen schönen Abend“. Joo klar, kein Problem.

Auf dem Heimweg liegt eine Tankstelle. Also nichts wie rein, kurz die Sorte Wein ausgesucht und der Abend kann beginnen. Denkste! Denn ich arbeite in Bayern und dort wird jeder Bürger fürsorglich vor allen Gefahren des täglichen Lebens vom Staat beschützt.

Als ich bezahlen möchte, sagt der Tankwart: „Tut mir leid, die Flasche darf ich Ihnen nicht verkaufen. Wir dürfen Alkohol nach 20:00 Uhr nur an Reisende verkaufen.“ Verwundert frage ich nach dem Grund und er gibt mir zur Antwort es ginge um den Schutz der Jugend. Nebenan sei eine Schule mit Jugendzentrum und damit die Jugendlichen keinen Alkohol zum Komatrinken bekommen darf nur noch an Reisende verkauft werden. Meinen Einwand, dass ich mit meinen 40 Jahren wohl bestimmt nicht mehr zur Jugend gehöre lies er nicht gelten. Schließlich könne ich ja den Alkohol an Jugendliche draußen weitergeben und er bekäme dann wieder den Ärger. Letztlich verwies er noch auf die Tür an der ein ausgeschnittener Zeitungsartikel hing indem alles erklärt wurde. Nun ich musste ohne Wein gehen, meine Frau hatte keine Lust auf Biergarten und so wurde es ein blöder Spieleabend am Rechner.

Inzwischen hab ich mich belesen und verdutzt festgestellt welche Blüten das Rechtswesen doch so treibt. Ursache ist also §6 LSchG (Ladenschlußgesetz).  Dort wird es den Tankstellen gestattet an allen Tagen den ganzen Tag zu öffnen. Während der Ladenschlußzeiten (also wenn alle anderen Geschäfte geschlossen sind) jedoch, ist nur der Verkauf von Ersatzteilen, Dingen zur Herstellung der Fahrbereitschaft und von Reisebedarf gestattet. Im §2 wir dann erläutert welche Dinge zum Reisebedarf zählen. Unter anderem gehören Lebens- und Genussmittel in kleinen Mengen dazu. Der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes in München hat dann in seinem Urteil vom 17.09.1998 mit Aktenzeichen 6 U 1928/98 auch festgestellt, dass ein Kasten Bier nicht als kleine Menge zu werten ist. Interessant finde ich dazu noch die Feststellungen in diesem Forumsbeitrag (welchem ich unbestätigt vertrauen muss, da mir leider der konkrete Urteilstext nicht vorliegt, aber mir scheint der Eintragende kennt sich mit dem Urteil aus).

In der Praxis jedenfalls scheint das Tankstellenpersonal generell nur Autofahrer (evtl. auch noch Zweiradfahrer) auf keinen Fall jedoch Radfahrer und Fußgänger als Reisende anzuerkennen. Womit für mich der Irrsinn komplett ist. Man bekommt also an Tankstellen nach 20:00 Uhr auf  jeden Fall eine Flasche Bier/Wein/Schnapps wenn man mit einem Auto kommt.

Damit sind die Jugendlichen die Freitagabend mit dem Auto aus dem Dorf in die Stadt zur Disko fahren, vorher noch an der Tanke Schnapps zum „Vorglühen“ holen um dann in der Disko weiter zu bechern, offensichtlich die Begünstigten dieser Regelung.

Ein Hoch auf unsere Politiker und Rechtspfleger. Da muss man schon genial sein um sich solche Regeln auszudenken. Als einfacher Bürger würde man da gar nicht drauf kommen.

Jetzt warte ich auf den Tag an dem eine sehr bekannte Kampagne von „Don’t drink and drive“ in „Only drive with drink“ geändert wird. An bayrischen Tankstellen scheint dies schon Realität zu sein.

#Hulu