Gedichte von Wally Höppner et. al.

Hier finden Sie eine Sammlung der mir von Wally Höppner bekannten Gedichte. Ich habe diese als Andenken an eine sehr liebe Oma aufbewahrt und hoffe, dass sie noch längere Zeit im Netz erhalten bleiben. Wally hatte damals intensiven Briefwechsel mit Eberhard welcher gewiss auch Einfluß auf ihre Gedichte hatte bzw. sie zum weiteren dichten motivierte.

Wally Höppner war seit ihrer Kindheit behindert und litt an Kinderlähmung. Sie war eine sehr motivierte und aktive Rentnerin welche sich stets in die Gesellschaft einbrachte.

Was die Wende uns 1990 so brachte,
woran kein Behinderter dachte:
Es wurde gegründet ein Behindertenverein
die Sache ist ja wirklich fein.
Zuvor mußte man sich erst befragen
was werden wohl die Behinderten da sagen.
Etwas aufzubauen ohne Geld
dürfte schwierig sein in dieser Welt.
Doch Fürsorgerin sehr beliebt und gewand,
ganz schnell etwas darauf erfand.
Sie machten Hausbesuche ganz konkret,
weil Sie wirklich was versteht!
Darf ich mich vorstellen sagte die Dame,
einfach zubehalten „Frenzel“ ist mein Name.
„Erklärung“ brachte ganz gezielt,
wo bei das Geld die Rolle spielt!
Aber der Monatsbeitrag ist ja so klein
da treten die Behinderten gern ein.
Tatsächlich die Sache wurde sehr bekannt,
somit traten immer mehr ein in den Verband.
Die Freude bei Frau Frenzel darüber war sehr groß,
nun ging die Arbeit richtig los.
Für die Behinderten zur Unterhaltung,
plante man eine Veranstaltung.
Schüler und Schülerinen der Mehringschule wurden gefragt
auch diese hatten alle ja gesagt.
Denn für Behinderte etwas vorzutragen
da kann man doch nicht nein sagen.
Somit wurde diese gute Tat vollbracht
alles Leid vergessen und mal so richtig gelacht.
Den Helfern und Schülern für ihre viele Mühe sei gesagt,
Danke, Danke für jeden Tag.
Möge die Gesundheit sie alle erhalten,
damit sie kräftig können weiter gestalten.
[Wally Höppner, 1990/1991]

Enttäuschung groß?
Die Freiheit, sie sollte uns doch nützen,
uns vor Massenarbeitslosigkeit schützen.
Das Gegenteil ist es nun, oh Graus:
„Vater, Mutter und Kind“ sind jetzt zu Haus.
Wie soll es bloß weiter gehen?
Ohne Geld können wir doch nicht bestehn.
Die großen Freuden und Hoffnungen zur Wende:
nahmen ja damals fast kein Ende.
Doch nun ist die Enttäuschung groß;
warum denn eigentlich bloß!
Alles was man möchte haben gern,
liegt so unerreichbar fern.
Es muß doch irgendetwas geben,
denn so können wir nicht leben.
Es wäre doch gelacht,
jetzt wird ganz einfach umgedacht.
Man rennt ganz einfach zur Behörde
mit einer gut aufgeschriebenen Beschwerde.
Verständnis bringt man dort auch nicht auf,
Beamten Antwort drauf; es ist eben so der Lauf.
Erreicht hat man nun nichts;
dafür noch einen schönen Knicks!
So schlendert man nun weiter durch die Straßen
ohne Mut und Geld in den Taschen.
Erreichtes Ziel der Einheit nun
Freiheit, Freiheit kann jetzt ruhn.
[Wally Höppner, im Alter von 72 Jahren]

Gedicht von Eberhard Bornemann in Greenscher (Gröna‘ er) Mundart
Noch an Jedicht!
Wally hat’n Jedicht jemacht,
Nu gucke Dich das an!
Das haww‘ ich mich doch jleich jedacht,
Daß die das heit‘ noch kann.
Nu isses ja ihr erschtes nich,
Se tat’s schon mennejes Ma‘,
Un’s letzte? Na, das jlobich nich.
Die macht’s beschtimmt noch ma!
An Sprichwort sades klipp un klar:
Dor Mund schpricht, was in’s Harze war.
Das Lämn is zur Zeit nich scheen
Un Besserung noch nich zu seen.
De Leite sa’en: „Mir sind verkohlt!“
Un hamm ooch recht dorbei.
Nu ward an Heppchen nachjeholt
Von Kohl un die Partei.
Der Jeldhahn ward nun uffjedreit
un’s leeft ooch inne Kassen.
Bloß Leite, seid nu ma jescheit
Un tut’s nich jlei vorprassen.
S’is ja mächtich vill zu machen,
Uffreimen, Heiser bau’n un Straßen,
Fabriken un ooch ann’re Sachen,
Da jiwwet Arweet iewer Maßen.
Jeld kimmt nu, Bedarf is da,
Verwaltung braucht’r, doch nich nur,
Fiehrnde Köppe braucht’r, ma
Un erschtema Infrastruktur!
Das Telefon is ooch janz wichtich,
Denn Handel braucht nu ma Gespräch.
De Produktion wär leider nichtich,
Wenn se bloß uff’s Laarer läch.
Verkoofen muß mer, was mer macht,
Un mer muß um Kunden werb’n.
Wenn mer nämlich das nich macht,
Kenn’n Waren bloß verderb’n.
Der Kunde is ja nu der Keenich,
Weil där bessahlt mit sein’n Jeld!
Was där nich will, is oft janz wenich,
Drum mach‘ ma ooch, wasse beschtellt.
De Banken braucht mer oo’vorsch Jeld,
Un die sin heit‘ noch lahme Enten.
Wer Konten amnds zusammenzellt,
Der zahlt ooch schpät de Renten.
Computer mißten die nu ham’n,
Direkt an’n Schalter vor de Leite,
Vernetzt mi alle, die een’n ham’n.
Denn jäb’s ooch nich die Pleite.
Ach, so vill‘ kennt‘ ich noch nenn’n,
Was immer noch nich funktioniert.
Doch wärd’ter mich jeniejend kenn’n,
Daß mich das alles sehr beriehrt.
Vorliert dadrewwer nich den Mut!
Siem’n Tare hat’s in Rom gedauert!
Am Enge würd doch alles jut
Un dornach ward’s nich bedauert.
De Absicht war, mich zu bedanken
Vor Dein Jedicht, das Du jeschriem’n
Vonne Freiheit un Jedanken,
Wie se Dich dorbei erschien’n.
Nu haww’ich selwer eens jemacht,
Ohne daß ich’s richtich wollte.
Wo’s nu steht, haww’ich jedacht,
Daß ich’s villeicht ämnt sollte.
[Eberhard Bornemann, Cappenberg, im März 1991]

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