Positionierung zu: Was gesagt werden muss (Günter Grass)

Flattr this

Motivation

Vor einigen Jahren sah ich in den Nachrichten wie ein deutscher Politiker die Wahrheit sagte. Das an sich ist schon bedeutend genug darüber zu berichten. Doch nur weil diese Wahrheit eine Kritik an Israel darstellte wurde dieser Politiker gleich zum Antisemiten abgestempelt. Vorher hatte ihn niemand für einen Antisemiten gehalten. Doch jetzt waren sich alle Parteien einig – das ging so nicht. Ich hörte nie wieder etwas von diesem Politiker. Vermutlich ist er direkt zurückgetreten wurden oder er hatte ohnehin nur eine temporäre Besetzung irgend eines Postens dargestellt – ich erinnere mich nicht mehr.

Damals dachte ich mir noch: „Scheint ja eine tolle Demokratie zu sein, die uns da mit der Einheit aufgezwungen wurde.“ Ich hielt mich in meinem persönlichen Umfeld mit Kritik über diesen Vorfall zurück, da man hier zu Lande sehr schnell einen falschen Ruf bekommt wenn man unüberlegt oder überhastet Kritik äußert. Möglicherweise wäre ich mit Antisemiten und Nazis in einen Topf geworfen wurden. Da ich den Politiker nicht recht einschätzen konnte, nahm ich an, dass die Vorwürfe wohl in Ordnung seien und ich nur ein Informationsdefizit besäße.

Aufgeschreckt hat mich vor kurzem nun das Gedicht von Günter Grass: „Was gesagt werden muss“. Auf Grund seiner Kritik an der DDR war mir Grass nie recht sympathisch und so habe ich zuvor nichts von ihm gelesen. Außerdem war mir aus Pressemeldungen bekannt, dass er bei der Waffen-SS gedient hatte. Als ich das Gedicht las, fand ich dort allerdings meine Gedanken zur Politik Israels. Ich war überwälltigt auf welch einfache Art es dem Mann gelungen war, dass zu formulieren wofür ich schon so lange nach Worten suchte.

Kaum war das Gedicht in der Presse, schon gab es die ersten Kritiken und die Verurteilung von Grass als Antisemit war sofort auf dem Tisch. Es würde mich nicht wundern wenn die ersten Kritiken bereits in der selben Ausgabe, in der auch das Gedicht abgedruckt war, standen. Da fühlte ich mich gleich heimisch – Gleichschaltung der Medien wie in der DDR erprobt. Nur jetzt nennt sich das Land Bundesrepublik Deutschland und gibt keine offene Diktatur des Proletariats zu, sondern versteht sich als Demokratie mit freiheitlich demokratischer Grundordnung.

Sehr gern würde ich mehr über das Thema Israel schreiben. Doch da dieses Thema zu sensible für meine unbeholfene Wortwahl ist, möchte ich hier nur aus Respekt und zur Erinnerung meine Sympathie zum Gedicht von Günter Grass zum Ausdruck bringen. Beim Thema Israel halte ich es vorläufig lieber mit den Worten Uwe Steimle’s: „Wir leben jetzt in einer Demokratie und da halte ich lieber den Mund.“

Was gesagt werden muss – Günter Grass [Süddeutsche Online]

„Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.“

 

Weiter Persönlichkeiten denen Antisemetismus vorgewurfen wurde

Jürgen Möllemann: Er kritisiert 2002 Israels Kriegspolitik gegen Palästina (Palästinensische Autonomiegebiete), zieht sich den Vorwurf des Antisemitismus zu, tritt 2003 aus der FDP aus und stirbt 2009 bei einem Fallschirmsprung unter nie ganz geklärten Umständen. In einem Interview vom 16.05.2002 sagte Möllemann damals:

„Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Scharons üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.“ [Möllemann]

Norbert Blüm: Auch er kritisierte die Israelische Politik gegen Palästina und kassierte dafür ebenfalls den Vorwurf ein Antisemit zu sein.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Bl%C3%BCm

 

Quellennachweis

[Süddeutsche Online]
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH.
[Möllemann ]
http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_M%C3%B6llemann
[Palästina ]
http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: