Freiheit vs. Aufsichtspflicht für Kinder

Heute mal etwas zum Thema Kinder. Nichts Besonderes aber es ist mir gerade so aufgefallen. Die Woche war recht stressig und jetzt wo ich so langsam zur Ruhe komme und noch ein Mal über alle Ereignisse so nachdenke, da ist es mir aufgefallen.

Sie haben Kinder und auch einen Schrank oder eine Schublade in der Sie Medizin oder Arzneimittel verstauen? Wie Sie verstehen nicht wie man die in einer Schublade aufbewahren kann, wo sie dort doch von Kindern so leicht zu erreichen sind? Gut, ich auch nicht! Meine Eltern hatten einen kleinen „Medizinschrank“. Er hing an der Wand in Kopfhöhe meines Vaters. Nein er war nicht abschließbar aber wenn ich ihn erreichen wollte benötigte ich schon mindestens einen Stuhl und ein bischen ein schlechtes Gewissen mich über die Weisung meiner Eltern hinwegzusetzen. Ich hab es nie getan – ich hatte nie das Bedürfnis es zu tun und dort irgendwelche Medizin herauszunehmen. Meine Eltern hatten mir gut erklärt, dass Medizin nur hilft wenn man genau weiß wofür und wie man sie verwendet.

Es gab auch noch eine Schublade in dieser wurden Pflaster, Schere und Mull aufbewahrt. Wenn ich mit anderen Kindern auf dem Hof oder im Dorf spielte und sich jemand verletzte, konnte ich dort alles finden um das Blut abzuwischen oder ein Pflaster drauf zu kleben. Dann brauchten wir nur noch einen Erwachsenen holen und alles war ok.

Heute finden sich überall Warnschilder – sicher vor Kindern aufbewahren. Das ist natürlich in Ordnung und dagegen möchte ich auch nichts einwenden. Doch stellen Sie sich ein Mal vor Sie machen einen Fehler. Sie brauchen starke Schmerztabletten und lassen diese gleich neben der Spüle liegen weil Sie es gerade so bis ins Bett schaffen. Ihr Kind kommt aus der Schule, hält die Tabletten für Süßstoff und rührt sich ein paar davon in den Tee. Irgendwann merken Sie dass es Ihrem Kind schlecht geht. Zunächst denken Sie sich nichts dabei dann merken Sie das die Tabletten fehlen, holen den Arzt und das Kind muß ins Krankenhaus.

Ich hab das noch nicht erlebt aber ich könnte mir vorstellen, dass der Arzt eine Anzeige wegen Verletzung der Aufsichtspflicht aufgibt. Oder er informiert das Jugendamt. Mit Sicherheit wird jemand kommen und eine Menge Fragen stellen und Sie belehren. Alles ok – soweit.

Und jetzt denken wir uns mal ins Krankenhaus. Wie läuft es da so ab? Früh kommt die Schwester und stellt Ihnen das Frühstück samt einer Ladung Tabletten für den Tag auf den Tisch. Sie selbst sind dafür zuständig die Tabletten ordnungsgemäß einzunehmen. Es interessiert niemanden ob Sie vergesslich sind oder sich wegen Ihrer Schmerzen gar nicht richtig konzentrieren können und gar nicht alle Anweisungen verstehen oder ob Sie einfach nur durch die erlebten Ereignisse so durch den Wind sind, dass Sie gar nicht auf die Anweisungen achten. Wie alt Sie sind scheint auch keine Rolle zu spielen. Bei 13 jährigen Kindern wird dies scheinbar genauso wie bei Erwachsenen praktiziert. Die sind scheinbar alt genug um damit klar zu kommen. Das scheint uns völlig normal. Die Schwester kann sich ja nicht noch um jeden Patienten seine Tabletten kümmern. Ein bischen Verantwortung muss man einem Kind auch schon übergeben können – wie soll es das sonst lernen? Aber muß es in solch einer Ausnahme Situation sein? Ist das wirklich so gewollt? Warum kommt hier niemand mit einem Fragebogen oder diesen immer währenden Belehrungen über die Aufsichtspflicht? Ist der Grund in der Freiheit des Bürgers zu suchen? Soll seine Privatsphäre während der Einnahme der Tabletten geschützt werden? Ich weiß es nicht. Mit diesen Arten von Begrifflichkeiten bin ich nicht aufgewachsen. In meiner Kindheit haben die Erwachsenen gesagt was zu tun ist und die Kinder haben es getan – entweder mit oder ohne Murren.

Mein persönliches Empfinden ist, dass es in beiden Fällen um die gleiche rechtliche Situation geht. Zu Gunsten eines effektiven Krankenhausbetriebes jedoch entsprechende Vereinfachungen vorgenommen und vom Gesetzgeber bestätigt wurden. Alles um Geld zu sparen. Denn der Leistungskatalog der Krankenkassen wird wohl keine individuelle Betreuung zur Medikamenteneinnahme durch Fachpersonal vorsehen. Wenn ich dieses Vorgehen bei Erwachsenen Patienten schon sehr bedenklich finde, so finde ich es bei Kindern unverantwortlich. Ich denke hier besteht Nachbesserungsbedarf.

Allerdings möchte ich hier nicht allgemein die Krankenhäuser in Verruf bringen. Mir ist bewußt, dass die medizinische Betreuung im Krankenhaus um vieles besser ist als in der Ambulanz. Ja Krankenhäuser arbeiten auch am Fließband – gerade die jungen Ärzte. Doch in den Ambulanzen der niedergelassenen Ärzte spüre ich die Behandlung von der Stange noch viel deutlicher. Ich bin froh das die Krankenhäuser heute noch so hohe Qualität leisten können. Ewig wird das vermutlich nicht mehr so sein. Dennoch sollten einige als Freiheit empfundene Aspekte nochmals überdacht werden.

Und damit geht’s dann auch ins Wochenende – schöne Zeit.

#Hulu

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